Über die Diktatur des Gedankenstrichs

Verfasst von Anne Sauer am 17 April 2013 | Kommentare

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Ich korrigiere derzeit mal wieder ein paar Bücher und komme nicht umhin, über die wahnsinnig vielen Gedankenstriche und Doppelpunkte in manchen Texten zu stolpern. Die wurden von sogenannten Künstlern geschrieben. Und die bestehen auf ihre Gedankenstriche. Nun schön und gut. Dem Autor ist es also wichtig, dass ich als Leser weiß, wo er mal durchgeatmet hat: In einem Satz, der aus vorangestellter Partizipgruppe, HS mit tausend Aufzählungen und Adjektivfolgen, eingeschobenem Nebensatz, dem wieder ein NS folgt, erweitertem Infinitiv mit zu und noch einem angehängten Irgendwas besteht, mag solch eine Gedankenpause zum Durchatmen sehr willkommen sein, denn ich – als Leser – (Ihr merkt schon, was ich meine) bin sonst überfordert – aber –, wenn so ein Gedankenstrich dann total wahllos mitten im Satz – steht, frage ich mich: Was soll das? Will mich der Schreiberling zwingen, eine Gedankenpause zu machen? Ist es ihm TOTAL wichtig, dass ich auch seine Sprechweise, seine Art zu denken, ganz genau verstehe? Was ist aus der schönen Interpretationsfreiheit des Lesers geworden? Wo ist der Glaube an die Rezipientenaktivität? Oder in Deutsch: Hält der mich für blöd? Oder ist der so unsicher, dass ich ihn sonst nicht verstehen könnte? Gibt es hier ein wider die Moderne – den Versuch, die Interpretationsfreiheit in ihre Schranken zu weisen?

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Manipulator – die Namensfindung

Verfasst von Anne Sauer am 17 April 2013 | Kommentare

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Manipulator

Das Magazin „Manipulator“ wurde 1982–1994 von den Künstlern
Wilhelm Moser und David Colby herausgegeben.

 

In den Achtziger- und Neunzigerjahren war „The Manipulator“ ein in mehrfacher Hinsicht beachtliches Magazin: das größte, das je gedruckt wurde, mit tiefgründigen und künstlerischen Texten, Porträts und Fotos aus den Bereichen Mode, Fotografie, Architektur, Design, Film und Kunst – bis heute zu Sammlerpreisen gehandelt, die manchen den Atem stocken lassen. Noch heute hängen an meiner Wohnzimmerwand Porträts von Kate Moss, Ève Salvail und Nadja Auermann, Fotografien von Henry Leutwyler und Frank Müller sowie eine alte Werbekampagne von Jung von Matt.

Nicht, dass ich jetzt größenwahnsinnig werde, aber der Name „Manipulator“ bot sich in diesem Zusammenhang für mein Blog in mehrfacher Hinsicht an. Zunächst einmal semantisch: Es geht mir hier um das Thema Medienkompetenz, das mich schon im Studium der Medienkultur an der Universität Hamburg interessiert hat. Wie manipulieren Medien unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit? Wie gestalten die heutigen Massenmedien Film, Fernsehen und Print unser Menschenbild? Welchen Blick auf die Welt bekommen wir durch Medien? Welche Verantwortung entsteht daraus? Und nicht zuletzt geht es hier thematisch um ähnliche Dinge, die mich privat wie beruflich interessieren: Mode, Fotografie, Film, Kunst, Design. Und das ganze hoffentlich tiefgründig und unterhaltsam.

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