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Wahlkampfwahnsinn

Verfasst von am 18 September 2013 | Kommentare

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„Wir haben die Kraft“

„Und deshalb wähle ich ...“

Das Wir gewinnt oder das Ich? Wenn ich mir die Wahlplakate der Bundestagswahl 2013 so anschaue, dann weiß ich ehrlich gesagt noch weniger, wen ich denn nun wählen soll. Geht es doch selten um Inhalte als mehr um Personen, Äußerlichkeiten, Oberfläche. Ich finde es albern, auf Körperhaltungen hinzuweisen (ich wähle doch niemanden aufgrund einer Fingerhaltung, die ihm/ihr offensichtlich ein total origineller Coach empfohlen hat nach dem Motto: „Halte die Hände still oder nimm ein paar Moderationskarten, das wirkt unsouverän, wenn du immer rumfuchtelst“ – sehr schön dazu dieser taz-Artikel). Schon gar nicht wegen einer Halskette, Schlipsfarbe etc. Genauso albern ist ein sinnloses „Wir“, weil ich grundsätzlich was gegen Vereinnahmung habe. Da regt sich wieder meine innere Opposition. Angstmacherei funktioniert bei mir auch nicht. Da bin ich zu sehr Kind der 80er. Zu sehr abgehärtet von drohenden Atomkriegen, BSE-Katastrophen, schmelzenden Polkappen, Umweltzerstörung und anderen Weltuntergängen. Damit kriegt man mich nicht. Nur leider geht es überall nur darum. In Talkshows, auf Plakaten, erst recht in Sozialen Netzwerken.

Ein Wahlwerbespot aus einem dunklen Hinterkämmerlein, der mich Tag und Nacht auf den Öffentlich-Rechtlichen verfolgt, überzeugt mich nun auch nicht wirklich. Anderen scheint es ähnlich zu gehen:

Also muss nun doch ein Blick in die Wahlprogramme her. Und da unterscheiden sich nunmal alle großen Parteien nicht wesentlich. Irgendeiner muss immer mehr bezahlen (wahrscheinlich „Wir“). Alle wollen was fürs Gemeinwohl tun (Stichworte wie „Bildung“ und „Kindergartenplätze“ funktionieren doch immer). Rente? Ach wer glaubt denn noch an diese Mär? Alle wollen Sie den Euro. Alle wollen sie die Umwelt nicht schädigen. Wie wäre es mal mit einer Bankenregulierung? Wie wäre es mit einer öffentlichen Debatte über Managergehälter statt mit einer unsäglichen Frauenquote hausieren zu gehen? Ich will sicherlich nicht wegen einer Quote eingestellt werden und kenne genügend hochqualifizierte Frauen, die es auch so geschafft haben. Mich würde aber interessieren, wie ethisch vertretbar das 54-fache Gehalt eines Angestellten ist. Bezahlbare Mieten – Vereinbarkeit Familie/Beruf – menschenwürdige Altenpflege – Unternehmen Grenzen setzen und gleichzeitig Möglichkeiten bieten – Privatsphäre achten. Wo finde ich das?

Also bleibt es spannend. Liebe Parteien. Hier ist eine von der grauen Masse der so oft beschrieenen Unentschiedenen. Doch so wirklich überzeugt habt ihr mich noch nicht. Nur eines ist sicher. Damit in meinem Wahlbezirk nicht das Gleiche passiert wie bei der U18-Wahl in Spremberg, geh ich auf jeden Fall wählen. Wahrscheinlich wie immer: das kleinere Übel.

Foto: CDU Deutschlands

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