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Sehr geehrter Herr...

Verfasst von am 26 June 2014 | Kommentare

Lieber Bundesverband der Pressesprecher,

ich bin ein wenig verwirrt. Ich bin Inhaberin vom Maßtexterei. Steht auch so hier im Impressum und in allen Mails, die wir je miteinander gewechselt haben.

Nun habe ich netterweise einen männlichen Begleiter gehabt, den ich über meine Firma zu Eurer sehr netten Preisverleihung des Deutschen Preises für Onlinekommunikation mitgenommen habe. Auf meine Rechnung. Ich finde es nun wenig charmant, dass seitdem nur noch jener männlicher Begleiter, der streng genommen nicht einmal Angestellter von Maßtexterei ist, JEDE Einladung bekommt, die hier ins Haus flattert. Oder Mails an meine info@-Adresse erhält mit freundlichen Einladungen zu Schulungen, netten Zusammenkünften, Netzwerktreffen usw. Wenn Ihr MICH dabei nicht vergessen hättet, würde ich das hier jetzt nicht schreiben. Nun auch die Einladung zum Kommunikationskongress... Sagt mal, geht Ihr davon aus, dass der Kerl automatisch der Inhaber hier ist?

Eitel bin ich ja nicht, und Feministin schon gar nicht (Judith Butler war mir zu Unizeiten schon ein Graus) – aber trotzdem mal spannend, was sich so am Frauenbild in der PR so geändert hat. Oder doch nicht. Stimmt der Artikel: „Er Kapitän, sie Crew? – Frauen in der PR“?

Ihr selber habt in eurem Leitartikel in der Ausgabe des pressesprechers (man beachte: SprechER) 5/13 geschrieben: „Trotzdem schaffen es nur wenige Damen an die Spitze. Warum ist das auch so lange nach der Emanzipationsbewegung noch so?“ Ganz einfach: „WEIL IHR UNS NICHT EINLADET ZU FORTBILDUNGEN UND NETZWERKTREFFEN!!!“

„Gerade mal drei Kommunikationsabteilungen der 30 Dax-Unternehmen werden von Frauen geführt. (...) In den 30 Agenturen der Gesellschaft Public Relations Agenturen (GPRA) sind in sieben Agenturen Frauen ganz oben. (...) Zudem bewegte sich das jährliche Durchschnittseinkommen von Frauen 2012 fast 20.000 Euro unter dem der Männer, wie aus der Berufsfeldstudie „Profession Pressesprecher“ hervorgeht. Man braucht sich nichts vorzumachen, die geschlechtsspezifischen Probleme sind in der PR die gleichen wie in anderen Berufsfeldern auch.“


Fehlt Frauen der Wille zur Macht? – habt ihr gefragt. Und Theorien von Uniprofessorinnen zitiert, die meinen, Frauen hätten keine Lust auf Machtspielchen, uns ginge das Machtmodell der Männer ab. Kinderkriegen würde uns u.a. daran hindern. Wir würden zu wenig netzwerken, uns nix zutrauen, würden in Führungspositionen als weniger sympathisch bewertet als Männer... Es mangele uns alles in allem an Selbstvertrauen.
Alles, was euch dazu einfällt ist: „gezielte Frauenförderung, flexible Arbeitswelten, Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“ Auch der Spiegel meint, wir Frauen in der PR seien einfach zu freundlich.

Sorry, aber solange ihr mich nicht zu euren Veranstaltungen einladet, liebe Kollegen und Kolleginnen, solltet Ihr Euch mal an die eigene Nase fassen. Nämlich genau dieses antiquierte Denken in seit langem festgefahrenen Klischees ist es, was uns Frauen daran hindert, erfolgreich Unternehmen zu führen. Und zum Glück gibt es doch eine wachsende Anzahl, die das Gegenteil beweist. Nehmen wir meine Mentorin und ehemalige Chefin Claudia Lüersen, Geschäftsführerin von COMPANIONS und Mutter von DREI Kindern. Oder auch, ganz bescheiden, mich.

By the way: Die Rechnung hab ihr wiederum richtig an mich geschickt ;)

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