Digital statt satt sauber warm?

Eintrag von am 4 October 2013 | Kommentare

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Vor ein paar Tagen war ich beim Berliner Wirtschaftsgespräche e.V. zur Diskussion ums Thema „Entrepreneurship in der Sozialwirtschaft“ in der Bank für Sozialwirtschaft. Auf der Bühne:

Oswald Menninger, Geschäftsführer beim PARITÄTISCHEN Wohlfahrtsverband Berlin

Bernd Steinmeyer, Koordinator Gründungsbegleitung von iq consult und social impact lab Berlin

Dirk Müller-Remus, Gründer und Geschäftsführer von auticon

Dorothee Feitsma, Geschäftsführerin von FIKO Institut für Handlungskompetenz GmbH

Thomas Gehrmann, Kundenberater bei der Bank für Sozialwirtschaft

und Stefan Spieker, Geschäftsführer der FRÖBEL Management GmbH / FRÖBEL e.V.

Es ging um Innovationen in der Sozialwirtschaft, möglichen Wissenstransfer zwischen den Akteuren, Finanzierungsmöglichkeiten von Projekten und die Wirkungsmessung sozialer Leistungen. Es ist schön zu hören, dass ein Projekt wie Auticon erfolgreich ehemals Hilfsbedürftige wie in diesem Fall Autisten mit Asberger-Syndrom zu erfolgreichen Mitarbeitern macht und damit am Markt sogar bestehen kann. Regelfinanzierung statt Fördertopf. Es ist schön zu hören, dass zukünftig der PARITÄTISCHE Berlin mit dem social impact lab Berlin kooperiert, um die Social Startups vom Wissen eines Verbandes profitieren zu lassen.

Doch auch nach dieser Veranstaltung stellt sich mir immer noch die Frage: Woher sollen Innovationen kommen im Bereich der klassischen Pflege zum Beispiel? Was heißt hier Innovation (mal eine etwas provokante Überschrift dazu: „Digital statt satt sauer warm“)? Geht es nicht eher um eine Umstrukturierung bestehender Systeme, um menschenwürdiges Leben zu ermöglichen statt skalierbarem (Um-)Strukturierungswahn. Ob eine Altenpflegerin 5 Minuten oder nur 4 am Klienten verbringt, sagt nichts über die Qualität der Leistung aus. Wie können „Mal ein Buch vorlesen?“, „Warmherzigkeit“ und „Nächstenliebe“ dokumentiert werden? Was kostet das? Und wenn ich manche Berichte, wie den des Sozialarbeiters und Autors Claus Fussek lese, dann geht es zum Teil nicht einmal mehr um solchen „Luxus“ sondern schlicht und einfach um die Grundversorgung. Welche Innovation könnte solche Zustände ändern?

Es wird Zeit, dass solche Diskussionen auch Gehör finden in der Öffentlichkeit. Das hier ist ein Medien-Blog. Ein durchaus kritisches. Und beim Fernsehbrei der Privatsender mit Promi-Big-Brother, Dschungelcamp, Hochzeits- und Kochgeblubber und Shopping Queen, die zur Nachrichtensendezeit um 20 Uhr ein Promi-Magazin bringen, bei niedlichen Katzenfotos auf facebook, die Millionen Klicks bekommen usw., da frage ich mich zunehmend: Wo soll das hinführen? Geht es da nicht um ein Einlullen des Zuschauers, dass er sich um oben genannte Probleme nicht mehr sorgt? Gewissen Kreise haben sicherlich ein Interesse daran, dass andere Kreise dumm bleiben.