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Politische Bildung auf der Fashion Week

Verfasst von am 5 July 2013 | Kommentare

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"Natürlich sind alle Models austauschbar!" Der (nicht mehr ganz so) junge Mann vor mir, der diesen Satz fächerwedelnd und mit einer großen Portion Attitüde à la mode de "Ich bin wichtiger als Du" von sich gab, hat sich glaube ich nicht viel dabei gedacht. Mich und meine Begleitung hat dieser Satz trotzdem geschockt. Nicht weil er eine wirklich neue Info enthält. Sondern weil er so völlig selbstverständlich in den Raum gebrüllt wurde. Nimm es hin. So ist es nunmal – "natürlich".

Die Berliner Fashion Week zeigt mir immer wieder auf erschreckende Weise auf, was unsere Gesellschaft über Schönheit, Frauen und Mode denkt. Die dünnen Ärmchen hängen leblos von krummen Schultern, deren Schulterblätter aus dem Rücken pieksen, auf dem man wiederum die Wirbel der Wirbelsäule zählen kann. Alles, was ein Großteil der Männer sexy und anziehend findet (ich habe ein paar befragt, der Playboy bestätigt es) – ein schönes Gesicht, Busen, Beine, Po – ist hier auf dem Catwalk kaum vorhanden. Stattdessen: glasige Augen, ausdruckslose Gesichter, Knochen, ein kraftloses Stolpern und Schleichen, dass man sich Sorgen macht. Ehrlich gesagt, nach nun 5 Jahren Fashion Week sehe ich die Mode kaum noch. Das ewige Seidengeflatter in mal mehr oder weniger bunten/pastelligen Farben, kombiniert mit komisch kastenartigen Blazerchen und Röhrenhosen in Grrrrrrrreige... was wirklich Neues sehe ich kaum. Doch auch nach der 10. Fashion Week schockiert mich der Anblick der jungen Models. Dünner geht einfach nicht mehr. Wo haben in diesen schmächtigen Körpern überhaupt die Organe Platz? Warum beklatschen wir Krankheit? Dazu wirklich sehenswert:

"Da könnte man auch die Mode an Kleiderhaken an einer Schnur den Catwalk entlangziehen", war der Kommentar eines geschockten Freundes, der das Ganze aus Neugier einmal sehen wollte. Aber nun mal gut. Über zu dünne Models, kuriose Kreationen und die „neuen“ Trends kann man in nahezu jedem Modeblog, -zeitschrift usw. lesen. Die Perret-Schaad-Show fand ich wie immer modisch gelungen, das gelbe Kleid war wirklich hübsch, die Location in der Neuen Nationalgalerie grandios:

UND DANN GAB ES NOCH EINEN RICHTIGEN LICHTBLITZ. Mein Freund Marc Schuhmann (www.marcschuhmann.com) stellte mir das Model Hanna Wähmer vor. Sie lief bereits vor 3 Jahren auf der Berliner Fashion Week. Dieses Jahr hatte sie eine Bilderserie in der italienischen Marie Claire:

hanna wahmer7

 Bildschirmfoto 2013 07 05 um 16.56.05

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hanna in der Marie Claire                                               Hanna in Berlin
Foto: Johan Sandberg, Quelle                                          Foto: Marc Schuhmann (THEPHOTODIARY™)

Ich habe mich mit Hanna, die wirklich bildschön und bezaubernd ist (und schlank aber gesund aussieht), kurz unterhalten können. „Was machst du denn so?“ Na die übliche Frage. Als ich ihr von dem neuen Jugendhilfeblog des PARITÄTISCHEN Berlins: jugendhilfe-bewegt-berlin erzählte, das ich dieses Jahr gemeinsam mit dem PARITÄTISCHEN entwickelt habe und das ich betreue, kramte sie kurz in ihrer Tasche. Heraus kam eine zerknitterte Ausgabe des fluterDas Jugendmagazin der Bundeszentrale für politische Bildung. Sie habe ein Abo und im Zug den Artikel über Afrika gelesen: „In der Afrikanischen Union sind über 50 Länder zusammengeschlossen, die vom Friedensprozess in Europa lernen wollen“. Das fand sie spannend. Und das war für sie relevant. Da wurde mir bewusst: Das hier ist etwas Echtes. Irgendwie wurde es mir da warm ums Herz. Und ich musste dem (gar nicht mehr so) jungen Mann im Nachhinein noch vehement widersprechen. Nein, austauschbar sind Models sicher nicht. Ich wünsche mir mehr junge Frauen wie Hanna. Solche mit Charakter, einem klugen Kopf, einer Meinung, junge Frauen, die sich nicht nur für Mode und Kunst interessieren, sondern auch für Politik, Weltgeschehen und Geschichte.

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